Interview mit Josef Reisenberger – Gülle, ein wertvoller Naturdünger

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Josef Reisenberger, der Erfahrenste und (noch) Betriebsführer bei den Reisenbergers ist am Betrieb nicht nur der Chef, sondern auch für die Ackerarbeit zuständig. Dazu gehört neben dem Anbauen, Pflügen, Mähen etc. auch die Ausbringung der Gülle. Wir haben ihn gebeten, uns zu diesem kritischen Thema Rede und Antwort zu stehen.

Gülle - Fluch oder Segen?

Des einen Fluch, des anderen Segen. Jeder Landwirt der Tierhaltung betreibt, egal ob Kühe, Schweine oder Hühner, „produziert“ durch die anfallenden Ausscheidungen seiner Tiere Gülle. Für viele Menschen und vor allem Anrainer ist die Gülle nichts weiter als stinkender Abfall unserer Schweinemast. Für uns Bauern ist diese Gülle wertvoller Dünger für unsere Felder. Dieser natürliche Dünger wird vorwiegend zum Düngen unserer Getreidekulturen eingesetzt. Die Gülle als Naturdünger enthält alle wichtigen und wertvollen Nährstoffe, die die Pflanzen zum Wachsen brauchen.

Was genau ist Gülle eigentlich?

Gülle besteht zum größten Teil aus Wasser mit darin gelösten Nährstoffen und organischer Substanz sowie einigen Mineralstoffen. Die wichtigsten Inhaltstoffe der Gülle sind Stickstoff, Phosphat und Kalium.

Stickstoff wird als Motor des Pflanzenwachstums bezeichnet und ist für die Pflanze unverzichtbar.

Phosphor ist der Baumeister des Bodengefüges und neben dem Stickstoff der zweitwichtigste Baustein zum Gedeihen der Pflanzen.

Kalium ist unter anderem wichtig für die Stärkung der Pflanzen, der Halmfestigkeit.

Gibt es einen richtigen Zeitpunkt zum Gülle ausbringen?

Den perfekten Zeitpunkt zum Gülle ausbringen wird es für die umliegende Bevölkerung wohl nie geben. Wir Bauern bringen die Gülle aber nicht willkürlich aus. Rechtlich ist Gülleausbringung in mehreren Gesetzen und Verordnungen geregelt und nebenbei spielen noch Faktoren wie Vegetationszeitpunkt und Tragfähigkeit des Bodens eine wichtige Rolle. Uns ist bewusst, dass die Geruchsbelästigung für unsere Nachbarn oft unangenehm ist oder zu einem für sie ungünstigen Zeitpunkt stattfindet. Allerdings sind wir durch die Gesetze und Wettervoraussetzungen eingeschränkt, was den Ausbringungszeitpunkt betrifft. Und wir tun unser möglichstes, um die Geruchsbelastung so gering wie möglich zu halten.

Wie kann man die Geruchsbelastung durch Gülle eindämmen?

Wie wir alle wissen duftet der Kot nunmal nicht nach Rosen, nicht bei uns Menschen und genauso wenig bei den Schweinen, aber es gibt sicherlich Maßnahmen um die Geruchsbelastung einzudämmen. Viele haben noch das Bild vom Güllefass, welches die Gülle in hohem Bogen durch die Luft  spritzt im Kopf. Bei dieser Methode gingen nicht nur wichtige Nährstoffe verloren, sondern es hat sich der Gestank durch die Luft stark ausgebreitet. 

Bei der heute gängigen Technik wird die Gülle aber innerhalb kurzer Zeit direkt in den Boden eingearbeitet, um die Inhaltsstoffe optimal auszunutzen und mittels Schleppschlauchtechnik möglichst bodennah abzulegen. Das trägt wesentlich dazu bei, dass bei der Gülleausbringung die wertvollen Nährstoffe direkt den Pflanzen zugutekommen und nicht in die Luft entweichen. Dadurch kann auch die Geruchsbelästigung minimiert werden. Leider ist diese Form der Ausbringung sehr technik- und kostenintensiv und somit meistens nur mit Gemeinschaftsmaschinen durchführbar. Das wiederum führt aber dazu die Gülle dann ausbringen zu müssen, wenn die notwendigen Maschinen verfügbar sind.

Seit gut einem Jahr setzen wir zusätzlich auf den Einsatz von effektiven Mikroorganismen. Durch die Zugabe von effektiven Mikroorganismen in den Wirtschaftsdünger, kann dessen Reife positiv beeinflusst werden, indem die aufbauenden Mikroorganismen vorherrschend werden. Mit Hilfe von EM kann faulige Gülle in fermentierten, hochqualitativen Dünger umgewandelt werden. Durch die Zufütterung der effektiven
Mikroorganismen kann außerdem eine deutliche Emissionsreduktion gemessen werden. EM als Futterzusatz
wirken sich außerordentlich positiv auf die Senkung umwelt- und klimarelevanter Emissionen während der Flüssigmistlagerung aus. Neben anderen positiven Eigenschaften wird dabei auch die Geruchsbelästigung weiter reduziert.

Gibt es Alternativen?

Als Alternative zur Gülle (Naturdünger) ist der Einsatz von Handelsdünger (Kunstdünger) zu erwähnen. Dieser ist allerdings umstritten, da er in Fabriken durch den Abbau der vorhandenen Lagerstätten hergestellt wird. Ohne Düngung – ganz gleich ob Natur- oder Kunstdünger – ist es sicherlich nicht mehr möglich, unsere Menschheit ausreichend mit frischen Lebensmitteln zu versorgen. Und das ist schließlich gerade in Zeiten wie diesen, die wichtigste Aufgabe von uns Bauern.

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Es ist für Viele ein heikles Thema, das ist uns bewusst. Falls noch Fragen offen sind, zögert bitte nicht, sie uns zu stellen. Uns ist wichtig, dass wir offen kommunizieren und so gegenseitiges Verständnis fördern können. Wir denken, es ist jedem unserer Kunden wichtig, dass wir bei uns am Hof so natürlich und naturnah wie möglich arbeiten. Dazu gehört für uns selbstverständlich auch die Gülle als Naturdünger und wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft.

Eure Fam. Reisenberger

Christine & Florian Reisenberger

Christine & Florian Reisenberger

Christine und Florian arbeiten beide am elterlichen Betrieb mit, Christine Teilzeit und Florian Vollzeit. Der bäuerliche Familienbetrieb ist seit Generationen gewachsen und in der heutigen Form ein sehr innovativer Schweinemastbetrieb mit Direktvermarktung. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, für ihre Kunden die Produktion von Schweinefleisch bis zum fertigen Lebensmittel transparent darzustellen.
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