Jungpflanzenproduktion – vom Samen bis zur fertigen Pflanze

Jungpflanzen

Bereits Anfang März beginnen die ersten Arbeiten, um im Frühling kräftige Jungpflanzen zu haben, die auf die Felder übersiedeln können. Der Weg ist ein langer, für den man viel Fingerspitzengefühl, Geduld und Hingabe braucht. Jeder, der schon einmal selbst Pflanzen für den Garten vorgezogen hat, kann es sich bestimmt vorstellen. Wie das in einem Gemüsebaubetrieb wie unserem genau abläuft, möchten wir euch hier gerne zeigen. 

Setzlinge & Sätze

Wir produzieren fast alle unsere Jungpflanzen selber am Betrieb. Lediglich die Setzlinge für unsere Folienhäuser, das sind Tomaten, Paprika, Melanzani und Gurken, kaufen wir von professionellen Jungpflanzenproduzenten zu. Diese werden nämlich veredelt. Das heißt, die früchtetragenden Sorten werden auf starke, meist alte und robuste Arten aufgepfälzt. Dies ist ein spezielles Verfahren und das geben wir in die Hände der Profis ab. Die Setzlinge kommen von einem Betrieb aus der Pfalz in Deutschland von einer befreundeten Familie. Mein Vater und ich haben dort beide im Abstand von 20 Jahren unsere Praxis gemacht. Außerdem lassen wir uns den allerersten Satz im Frühjahr von Professionisten liefern, da diese Pflanzen beheizt herangezogen werden müssen.

Wir ziehen rund ums Jahr gesehen etwa 20 Sätze Gemüsepflanzen. Alles in allem sind das ca. 750 000 Pflänzlein. Ein Satz ist zB. Salat für eine Ernte, der dann im Sommer ca. 1 Woche lang geerntet werden kann – danach wächst der Salat aus, geht in die Blüte und ist nicht mehr verwendbar. Daher werden diese Sätze Gemüsesorten genau im Abstand von sieben Tagen gesät, damit wir keine „Erntelöcher“ bekommen. Auch unsere Wassermelonen, Freilandgurken und Zucchini machen wir selber. Hier ist der Abstand zwischen den Sätzen jedoch größer, da die Ernteperiode länger ist.

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Erde & Säen

Die Produktion beginnt bei der Erde. Wir verwenden für unsere Pflanzen Spezialerde mit einem hohen Schwarztorfanteil, die wir von einer deutschen Firma mit Niederlassung in Linz kaufen. Dieser Bestandteil ist wichtig für die Stabilität der kleinen Presswürfel. Das Substrat wird in Säcken geliefert. Wir leeren diese dann in einen Vorratsbunker, wo Wasser, welches mit Mikroorganismen versetzt ist, eingemischt wird. Die Effektiven Mikroorganismen fügen wir für eine bessere Nährstoffumsetzung bereits im Presswürfel zu. Der richtige Wasseranteil ist sehr wichtig für das Endergebnis, nur so können gut pflanzbare Setzlinge hergestellt werden. Ist die Erde zu trocken, zerfällt der Würfel, ist sie zu feucht, lassen sich die Würfel nicht gut teilen und das Pflanzensetzen wird zur echten Herausforderung. 

Das Saatgut wird zum größten Teil automatisch mit einer Presstopfmaschine in das dafür vorgesehene Loch im Würfel abgelegt. Nur bei Gemüsearten, wo wir wenig brauchen, legen wir das Saatgut händisch ab. Auch das Aussäen von Zucchinis und Gurken erfolgt per Hand, da diese Samen zu groß sind. Außerdem brauchen diese Pflanzen mehr Erdvolumen, um besser wachsen zu können, dafür eine weitere Maschine zu kaufen, wäre allerdings unrentabel.

Folienhaus

Nach dem Säen dürfen die Pflanzen zwei Tage lang in unserer „Presskammer“ rasten. Durch die dort optimal herrschenden Temperaturen (etwa 18°C) keimen die meisten Gemüsearten gut an. Danach werden die Pflanzen in unser Folienhaus übersiedelt, wo sie je nach Jahreszeit 3 bis 6 Wochen heranwachsen. Ein paar Tage vor dem Setzen werden unsere Schützlinge ins Freie gestellt um sich an die dortigen Temperaturen und das UV-Licht zu gewöhnen. So ist der Schock, wenn sie von ihren Nachbarn getrennt und direkt aufs Feld gesetzt werden nicht so groß. Nach dem Setzen werden unsere Pflanzen noch gut mit Wasser angegossen, um ihnen den Start zum Erwachsenwerden zu erleichtern.

Der erste Satz wird Mitte / Ende März ins Freiland gesetzt und mit einem Verfrühungsvlies gegen Kälte geschützt. Dazu gehören zB. Salate, Kraut, Kohlrabi usw. Bei kälteempfindlichen Kulturen wie Kürbis warten wir die Eisheiligen ab oder lassen das Schutzvlies länger oben.  

Mir macht es jedes Jahr große Freude, den Pflänzchen beim Wachsen zuzusehen und daran zu denken, welche reife Ernte sie ihm Laufe des Jahres bringen werden. Es ist doch immer wieder erstaunlich, was alles aus einem einzigen Saatkorn entstehen kann. Falls ihr noch Fragen zu unserer Jungpflanzenproduktion habt, könnt ihr euch gerne melden.

Euer Michael Kirchgatterer

Michael Kirchgatterer

Michael Kirchgatterer

Michael betreibt mit seiner Familie den auf Gemüseanbau spezialisierten Betrieb. Es werden 50 verschiedene Gemüsearten in über 100 Variationen produziert. Von Feldgemüse über Fruchtgemüse bis zu Feingemüse und Kartoffeln wird hier alles für die Direktvermarktung angebaut. Außerdem werden diverse Speiseöle direkt am Hof hergestellt
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2 Gedanken zu „Jungpflanzenproduktion – vom Samen bis zur fertigen Pflanze“

  1. Wirklich sehr spannend, wieviel Wissen und Achtsamkeit dahinter steckt, bis so ein wertvolles Nahrungsmittel auf unserem Teller landet. Ich schätze es sehr, so einen nachhaltigen Betrieb ganz in der Nähe zu haben.☺

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    • Liebe Marianne! Vielen Dank für dein Kommentar und dein nettes Feedback. Da es genau unser Ziel von Ohlsdorf Ab Hof ist, diesen Blick hinter die Kulissen zu geben und zu zeigen, wie viel Arbeit hinter den Lebensmitteln steckt, freut uns das wirklich sehr. Alles Liebe, deine Ohlsdorfer Direktvermarkter

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