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Bei Familie Reisenberger am Troadlaufergut in Unterthalham fand mit Stichtag 01.01.2021 die Betriebsübergabe statt.

Die Hofübernahme gehört zu den bedeutendsten Ereignissen im Leben eines jungen Landwirts. Auch auf der Seite der Übergeber machen die enge emotionale Verbundenheit und große Verantwortung, die sie über viele Jahre für ihren Betrieb gezeigt haben, die Hofübergabe zu einem tiefgehenden Vorgang. Es bedeutet auf der einen Seite einen Abschluss und gleichzeitig einen Neubeginn und für beide Generationen den Anfang eines neuen Lebensabschnittes.

Für den Hofübergeber besteht die Herausforderung darin, sich vom „Lebenswerk“ loszulösen und trotzdem die nächste Generation von den langjährigen Erfahrungen profitieren zu lassen.

Josef, ist dir die Entscheidung den Betrieb (jetzt schon) an deinen Sohn Florian zu übergeben schwergefallen?

Keinesfalls! Denn es ist heute nicht mehr selbstverständlich, dass eines der Kinder einen landwirtschaftlichen Betrieb übernimmt, mit all seinen Aufgaben, Traditionen und der Verantwortung, die eine Hofübernahme bedeutet.

Gleichzeitig überlegt man als Übergeber, ob man dem Jungbauern auch all diese Aufgaben mit all den Vorschriften, Auflagen der EU und bürokratischen Richtlinien mit ruhigem Gewissen übertragen kann.

Elfriede, auch du hast deinen Anteil des Hofes an Florian übergeben. Wie geht es für dich am Hof weiter?

Genau, auch ich habe übergeben doch für die Pension bin ich leider noch etwas zu jung 😉, obwohl ich schon reif dafür wäre. Ich möchte Florian und Michaela trotzdem so gut wie möglich unterstützen und dabei hoffentlich nicht auf mich selbst vergessen.

Für ein gutes Gelingen und Beisammensein auf einem Hof mit mehreren Generationen wünsche ich mir vor allem eine ehrliche Gesprächsbasis und gegenseitige Wertschätzung. Ich habe Vertrauen in die nächste Generation und bedanke mich bei ihr für die Weiterführung von Hand mit Herz.

Florian, zu welchem Zeitpunkt hast du dich dazu entschlossen, den Betrieb deiner Eltern zu übernehmen?

Wichtig ist es selbst für die Hofübernahme bereit zu sein und nicht gezwungen zu werden.

Da ich nach Absolvierung der dreijährigen Landwirtschaftlichen Fachschule in Lambach den Facharbeiter im Bereich Landwirtschaft und anschließend noch einen Facharbeiter im Lehrberuf Zimmermann gemacht habe, stand meinem Wunsch Bauer zu werden eigentlich nichts mehr im Weg. Nach meinem Präsenzdienst beim Bundesheer 2013 blieb ich zuhause am elterlichen Betrieb tätig und festigte meine Kenntnisse in der Landwirtschaft, jedoch nicht nur diese, sondern auch die seit meiner Kindheit mich begleitende Arbeit der Direktvermarktung.

Da meiner Meinung nach die Fort- und Weiterbildung im landwirtschaftlichen Bereich heutzutage das Um und Auf ist, habe ich mittlerweile den Unternehmerbrief und auch schon mit meiner Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister im Bereich Betriebs- und Haushaltsmanagement begonnen, die ich im März 2023 abschließen werde.

Die Grundvoraussetzungen sind somit erfüllt und mit der richtigen Partnerin an meiner Seite und dem immer näher rückenden Pensionsantritt meines Vaters wusste ich, dass ich nun all mein erlerntes Wissen und Können in die Tat umsetzen darf – und das auf meinem ganz eigenen Betrieb. Etwas mulmig wird einem da schon zumute, aber wie gesagt mit den richtigen Personen, die einem den Rücken stärken, sind alle Hürden zu meistern.

Michaela, du hast Florian vor 6 Jahren kennengelernt. War dir von Anfang an bewusst, worauf du dich da einlässt?

Schon als wir uns kennenlernten erklärte Florian, dass er den Hof seiner Eltern übernehmen wird. Für ihn war schon seit langem klar, dass seine Zukunft auf dem Hof liegt, auf dem er aufgewachsen ist. Ich selber wurde nicht auf einem Bauernhof groß, manche Dinge waren also neu für mich. Besonders geschätzt habe ich aber von Anfang an die Möglichkeit im Garten zu arbeiten, wie ich es bei meinen Eltern und Großeltern schon gerne gemacht habe. Elfriede hat großzügig den Gemüsegarten mit mir geteilt.

Josef, du musstet den Betrieb 1988 im Alter von 28 Jahren aufgrund des Todes deines Vaters übernehmen. Wie lief die Hofübernahme damals ab?

Bei mir war es so, dass mein Vater im Oktober 1988 ganz plötzlich an einem Herzinfarkt gestorben ist und ich von heute auf morgen die alleinige Verantwortung und auch die ganze Arbeit am Feld und im Stall gemeinsam mit meiner Frau alleine und ohne die Hilfe und Ratschläge meines Vaters schaffen musste.

Freilich war ich bis dahin bei allen Arbeiten und Tätigkeiten immer mit dabei, aber plötzlich alleine entscheiden und verantworten zu müssen, war doch eher ungewohnt.

Zum Glück gibt es gute Fachbücher über das Schnapsbrennen, das Most machen, das Düngen der Felder und auch die richtige Fütterung der Schweine und vieles mehr.

All das hatte ich trotz der jahrelangen Mitarbeit als zukünftiger Hofnachfolger und künftiger Bauer am Troadlaufergut kennengelernt und trotzdem war mir wichtig, durch das Nachlesen in diesen Fachbüchern das erworbene Wissen auch gut umsetzen zu können.

Als Hofübernehmer gilt es Chancen zu nutzen, Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft des Hofes erfolgreich zu gestalten. Der neue Aufgabenbereich bietet dem Jungbauern viele Möglichkeiten eigene Visionen und Ideen zu verwirklichen.

Florian, wie sehen deine Visionen für die Zukunft aus? Möchtest du am Betrieb etwas verändern?

Nein! Da ich das Glück hatte, dass mich mein Vater in den letzten Jahren immer mehr und mehr um meine Meinung oder Herangehensweise gefragt hat, konnten wir gemeinsam den Betrieb auf die von mir gewünschte Größe und Technisierung bringen, um eine Alleinbewirtschaftung von mir ermöglichen zu können.

Was habt ihr im Vorfeld geändert?

Wir haben einen Auslauf für unsere Schweine gebaut, was mir sehr wichtig war, da mir das Wohl der Tiere sehr am Herzen liegt. Kurz vor der Übergabe haben wir noch die Maststallplätze reduziert, besser gesagt die Anzahl der Mastschweine – der Platz bleibt gleich. Somit hat jede Sau noch mehr Platz. Mit weniger Tieren konnte ich auch Nutzgrund verringern, den wir in Pacht hatten. So hat sich auch die Feldarbeit reduziert, was es leichter macht, alles unter einen Hut zu bringen. Wobei ich noch erwähnen möchte, dass mich meine Eltern nach wie vor in jedem Bereich tatkräftig unterstützen.

Michaela, du hast eine Vollzeitanstellung als Buchhalterin. Florian ist nun Betriebsführer. Wie sieht euer gemeinsamer Weg aus?

Florians Eltern haben den Betrieb gemeinsam geführt, wir gehen einen anderen Weg. Er hat den Betrieb alleine übernommen, ich arbeite Vollzeit außerhalb des Bauernhofes, daneben bin ich für die Buchhaltung der Direktvermarktung zuständig. 

Wir haben sehr unterschiedliche Arbeitsfelder und manchmal auch sehr unterschiedliche Arbeitszeiten. Als Buchhalterin sind meine Arbeitszeiten geregelt, am Bauernhof werden jedoch viele Arbeiten vom Jahresverlauf und dem Wetter bestimmt, in der Direktvermarktung auch von unterschiedlicher Nachfrage (Weihnachten, Ostern, Feste im Sommer, etc.). Oft wird bei schönstem Badewetter Getreide geerntet, die Stallarbeit ist tagtägliche Notwendigkeit – eine Woche Urlaub zu planen ist da nicht so einfach.

Auch das gehörte zu den Dingen, die ich nicht kannte – Florian zuckt da nur mit den Schultern – er macht, was er liebt – und was man gern macht, macht man gut.

Florian, du bist nun also in 4ter Generation Betriebsführer am Troadlaufergut. Ich gratuliere dir dazu herzlich und wünsche dir alles Gute für die Zukunft.

Dankeschön.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich von ganzem Herzen dankbar bin und meine Eltern bewundere, was sie in den letzten 30 Jahren auf dem Betrieb geleistet haben. Angefangen von der Schweinezucht, der Schweinemast und den vielen Umbauarbeiten im Stall sowie Schlachtraum etc., um immer wieder den neuesten Richtlinien zu entsprechen. Dasselbe gilt natürlich auch für den Bereich der Direktvermarktung, die wir in den letzten 5 Jahren gemeinsam um mehr als das Doppelte ausgebaut haben.

Danke für die Wegbereitung für meine Zukunft in der Landwirtschaft.

Euer Florian Reisenberger

Picture of Christine & Florian Reisenberger

Christine & Florian Reisenberger

Florian ist Betriebsführer und seine Schwester Christine arbeitet Teilzeit am Betrieb mit. Der bäuerliche Familienbetrieb ist seit Generationen gewachsen und in der heutigen Form ein sehr innovativer Schweinemastbetrieb mit Direktvermarktung. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, für ihre Kunden die Produktion von Schweinefleisch bis zum fertigen Lebensmittel transparent darzustellen.

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