Das eigene Getreide verfüttern & dadurch veredeln

Michi Pflug

Als „Veredeln“ wird in der Landwirtschaft die Verarbeitung von pflanzlichen Produkten in höherwertige Tierprodukte bezeichnet. Bei uns geschieht das, indem wir unser Getreide, den eigenen Mais und das eigene Grünfutter den Hühnern und Schweinen verfüttern. Da wir unseren Hühnern mehr als die gesetzlich vorgeschriebene Weidefläche zur Verfügung stellen, können wir außerdem einen Teil im Sommer zu Heu verarbeiten. Dieses Heu steht im Winter den Tieren als Beschäftigungsmaterial zur Verfügung.

Getreideanbau

Auf unseren Feldern bauen wir Wintergerste, Winterweizen, Hafer und Mais an. Soja müssen wir zukaufen, da wir für den Sojaanbau zu wenig Fläche zur Verfügung haben. Zur Flächenbearbeitung bzw. zur Düngung haben wir unsere eigenen Geräte und Maschinen wie Pflug, Egge, Sämaschine, Güllefass usw., aber auch einen Mähdrescher. Er ist zwar nicht mehr der Neueste, jedoch ist er sehr praktisch, da wir nicht auf ein Lohnunternehmen warten müssen und so zeitlich flexibel sind.

Die Getreide-Ernte

Das Getreide hat bei 12-14 Prozent Trockenheitsgrad die richtige Reife erreicht, das ist entscheidend für die Getreidequalität. Für die Getreideernte brauchen wir für jede Frucht bzw. je nach Hektar ca. 2 Tage. Das geerntete Getreide wird geputzt und in Silos gelagert. Bei der Verarbeitung zu Getreideschrot kommt der Mischzug. Er wird angerufen, wenn das Futter im Silo leer wird. Dabei handelt es sich um einen eigens gebauten LKW, der das Getreide bricht und mit Mineralstoffen wie Rapsöl und Kalk vermischt, sodass ein qualitativ hochwertiges Futter für die Hühner und Schweine entsteht. Die Mineralstoffe bekommen wir von der Firma Schaumann.

Kreislauf & fruchtfolge

 

Bevor im September als erstes die Wintergerste gesät wird, wird der Mist auf die Felder ausgebracht. Das ist ein wichtiger, organischer Dünger, der auch für den Humus-Aufbau ausschlaggebend ist. Danach kommt der Pflug zum Einsatz. Die Saatbeetvorbereitung wird mit der Egge vollendet, danach kann angebaut werden. Der Winterweizen ist einen Monat später, ca. Mitte Oktober, an der Reihe. Winterweizen ist in dieser Hinsicht nicht empfindlich und kann solange gesät werden, bis man nicht mehr ins Feld fahren kann. Im Frühling (Anfang – Mitte März) sobald der Boden trocken ist, wird der Hafer angebaut. Über den Winter sammelt sich wieder viel Mist an, daher wird auch vor dem Hafer- und Maisanbau mit Mist gedüngt. Beim Maisanbau sollte der Boden eine Mindest-Temperatur von 8 Crad aufweisen. Gefährlich ist daher, dass er zu früh gesät wird und dann noch einmal starker Frost kommt. Von Februar bis Mai fällt die meiste Arbeit im Feld an, von Düngen bis Pflanzenschutz ist alles dabei.

Die Wintergerste ist mit der Reife ca. Anfang Juli soweit, dass sie geerntet werden kann. Das Stroh wird am nächsten Tag mit dem Kreiselheuer und dem Schwader bearbeitet und zu Strohballen gepresst. Das Stroh verwenden wir bei unseren Schweinen und Hühnern. Nach der Ernte beginnt der Zwischenfruchtanbau. Hier werden ausgewählte Sorten wie Senf, Phacelia, Buchweizen, Kleearten, usw. angebaut. Das bietet Schutz vor Bodenerosion, bindet den Luftstickstoff, verringert Nährstoffverluste (Nitratauswaschung) und trägt zum Klimaschutz bei. Die Zwischenfrucht wird bei uns Anfang Dezember eingearbeitet. Danach beginnt der Kreislauf von vorne. 

Der Mais wird Anfang – Mitte Oktober geerntet. Für diese Tätigkeit muss ein Lohnunternehmer kommen. Der Mais wird zur weiteren Verarbeitung gleich bei unserem Lohnunternehmer in Desselbrunn getrocknet. Die Maisstoppeln werden gemulcht und mit dem Pflug eingearbeitet, danach wird der Weizen gesät. 

Trockenheit

In den letzten Jahren konnte man leider beobachten, dass es im Frühling und Sommer immer trockener wird. Das setzt uns Landwirten sehr zu. Den Vorteil, den wir bei uns am Betrieb haben, ist der „schwere“ Boden. Das bedeutet, dass wir unter der Humusschicht einen Lehmboden haben. Dieser Boden kann das Wasser besser und länger speichern als z.B. ein Schotterboden.

Das war eine kleiner Einblick, wie das eigene Futter für unsere Tiere erzeugt wird. Wir sind sehr stolz darauf, unseren Hühnern eigene Futtermischungen verfüttern zu können. So weiß man ganz genau, welche Qualität drinnen steckt und man arbeitet möglichst nachhaltig. Denn die Futterqualität ist das Wichtigste beim Veredeln – nur wenn das Huhn das beste Futter bekommt, können auch die besten Eier entstehen.

Wenn Ihr noch Fragen habt, könnt ihr mir gerne schreiben.

Euer Michael Ettinger

Michael Ettinger - Peißkammergut

Michael Ettinger - Peißkammergut

Michael betreibt mit seinen Eltern zwei mobile Hühnerställe, was ihrer Meinung nach die artgerechteste und tierfreundlichste Haltungsform für Hühner ist. Die Eier von seinen glücklichen Wanderhühnern kann man u.a. direkt bei ihnen am Hof in einem Selbstbedienungshäuschen kaufen.
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