Unkraut – raumübergreifendes Kleingrün oder doch ein Problem

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Natürlich ist die Unkrautbekämpfung bei einem Gemüseanbaubetrieb wie unserem ein großes und wichtiges Thema. Allerdings haben wir über die Jahre viel dazugelernt und sehen das Unkraut auf unseren Feldern und in unseren Folientunneln mittlerweile eher locker. Wir benötigen und möchten keine chemisch „reingespritzten“ Gemüsekulturen, auch wenn das so manches vereinfachen und viel Zeitersparnis mit sich bringen würde. Außerdem möchten wir mit der Natur im einigermaßen ausgeglichenen Kräfteverhältnis arbeiten. So sollen durch geringen Pestizideinsatz natürliche, gesunde Lebensmittel entstehen.

Wetter & Unkraut

Vorab muss gesagt werden, dass nicht jedes Jahr gleich ist. So hatten wir die letzten Jahre eher weniger Unkrautprobleme, da das Wetter mitspielte und unsere Toleranzgrenze doch schon sehr hoch ist. Aber im heurigen, sehr feuchten Jahr 2020 kann man von einer richtigen Unkrautplage sprechen. Vor allem feuchtigkeitsliebende Unkräuter wie Franzosenkraut, Melde oder Hirse machen uns zur Zeit das Leben bzw. die Ernte und Pflege schwer. Heuer hatten wir bei Salat und Kohlgewächsen schon hohe Ertragseinbußen aufgrund der Nährstoffkonkurrenz durch problematische Beikräuter. Auch die fehlende Lichteinstrahlung bei mit Unkraut überwucherten Kulturen ist ein Problem.

Chemische Unkrautbekämpfung

Eine chemische Unkrautbekämpfung ist im Gemüsebau, vor allem bei so vielen verschiedenen Kulturen wie wir sie anbauen, nicht einfach. Die richtige Dosierung, der Einsatzzeitpunkt und  das Wetter sind ausschlaggebend. Des Weiteren ist die chemische Bekämpfung allein schon wegen der Gesundheit des Anwenders jeder anderen Bekämpfungsmöglichkeit nachzustellen. Wir versuchen die Unkräuter möglichst früh, also in der Keimphase, zu unterdrücken. Hierzu werden die vorbereiteten Pflanz- bzw. Saatbeete mit einem chemischen Mittel („Stomp Aqua“) versiegelt. Das heißt, es wird eine Art Schutzfilm auf den Boden aufgetragen, der das Unkraut für eine gewisse Zeit zurückhält. Ist die Kultur erst groß genug, so hat das Unkraut aufgrund von Platz- und Lichtmangel wenig Chancen. Unsere Pflanz- und Säkulturen kommen mit diesem Mittel nicht in Berührung, weil beim Setz- bzw. Sävorgang der Schutzfilm durchbrochen wird.

Mechanische Unkrautbekämpfung

Wir konzentrieren uns verstärkt auf die mechanische Unkrautbekämpfung. Hier ist es aber ebenfalls nicht leicht, die richtige Methode zu finden. Die Anschaffungskosten stehen im Verhältnis zur Zeitersparnis bzw. der sauberen und exakten Unkrautentfernung aus den Beständen. Auf dem Markt gibt es eine Vielzahl von Hackgeräten. Von der Handhacke und Radhacke über rein mechanische Hackgeräte bis hin zum GPS-gesteuerten Hackroboter ist alles erhältlich. Wobei letzterer z.B. bei einem Anschaffungswert von etwa € 80.000 eher nur für Großbetriebe geeignet ist.

Wir arbeiten auf unserem Betrieb vor allem mit mechanischen Hackgeräten in unterschiedlichen Ausführungen: 2-reihige Kulturen bei Kraut und 3-reihige Kulturen bei Salaten und Feingemüse im ebenen Beet und 2-reihige Dammkulturen bei Karotten, Kartoffeln und anderem Wurzelgemüse. Diese werden nach der erfolgten Kopfdüngung angewendet und entfernen das Unkraut zwischen den Reihen. Nun erfolgt der „Feinschliff“ mit der Handhacke, sofern es die Unkrautgröße noch zulässt. Wir nennen diesen Vorgang in der Mundart „Hendln“. Dies ist zwar die einfachste, sauberste und natürlichste Methode Unkraut zu entfernen, jedoch sehr zeit- und kraftaufwendig.

Händische Unkrautbekämpfung

Ist das Unkraut zu groß, was bei uns leider heuer durch die nasse Witterung der Fall ist, bleibt nur noch der Einsatz mit der bloßen Hand. Jede einzelne Unkrautpflanze muss ausgerissen werden. Diese Art der Beikrautregulierung ist, wie man sich vorstellen kann, mit Abstand die mühsamste und zeitintensivste, jedoch manchmal einfach unumgänglich um Kulturen, die vom Unkraut „gefangen“ wurden, zu befreien.

Chemisch, mechanisch oder händisch?

Das hängt vom Unkrautdruck und der Art der Kultur ab. Bei langen Kulturen wie Kraut oder Karotten kann es vorkommen, dass wir mehrmals chemisch gegen Unkraut vorgehen, das hängt vom jährlichen Unkrautdruck ab. In der Regel gehen wir nur einmal (zur Saat bzw. Pflanzung) chemisch vor wie oben beschrieben. Danach je nach Druck mechanisch oder händisch. Bei kurzen Kulturen wie Salat wird in der Regel gar keine weitere Unkrautbekämpfung vorgenommen. Und Unkraut muss nicht immer schlecht sein – wir hatten schon Jahre, wo aufgrund der Überwucherung von Franzosenkraut bei Fenchel Toperträge erzielt wurden. Es schien fast, als würden die beiden eine Symbiose eingehen.

Was man sonst noch gegen Unkraut tun kann

Man kann mit der Hilfe sogenannter Zeigerpflanzen arbeiten. Das sind Pflanzen, die durch ihr Vorkommen auf bestimmte Bodeneigenschaften hinweisen (z.B. Nährstoffmangel, Verdichtungen, Staunässe usw.). Zum Beispiel zeigt das Franzosenkraut einen lockeren, humusreichen Boden mit einer hohen Stickstoffbilanz an – das heißt, es ist keine Düngung notwendig und eigentlich ist unser Franzosenkrautproblem ein gutes, weil der Boden von guter Qualität ist. Engeres Pflanzen kann einen Vorteil bringen. Generell versuchen wir, Lücken zu vermeiden, gewisse Abstände sind aber meist nötig. Die letzten Jahre haben wir div. Versuche mit Mulchen im Folientunnel unternommen. Das möchten wir nächstes Jahr weiter mit Silagemulch versuchen.

In Jahren mit hohem Unkrautdruck können wir es nicht bei allen Kulturen bekämpfen. Da entscheiden wir die Reihenfolge nach Wichtigkeit für den Verkauf. Manche Kulturen sind für uns unverzichtbar wie z.B. Tomaten, Karotten, Sellerie, usw. Bei manch anderen wäre es weniger schlimm, wenn der Ertrag einmal geringer ausfällt wie z.B. bei Schwarzwurzeln und Kapuzinerkresse.

Ich hoffe, ich konnte euch einen guten Einblick in die Unkrautbekämpfung bei uns am Betrieb geben. Falls ihr noch Fragen dazu habt, könnt ihr euch gerne melden.

Euer Michael Kirchgatterer

Michael Kirchgatterer

Michael Kirchgatterer

Michael betreibt mit seiner Familie den auf Gemüseanbau spezialisierten Betrieb. Es werden 50 verschiedene Gemüsearten in über 100 Variationen produziert. Von Feldgemüse über Fruchtgemüse bis zu Feingemüse und Kartoffeln wird hier alles für die Direktvermarktung angebaut. Außerdem werden diverse Speiseöle direkt am Hof hergestellt
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